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KI, Literaturmarkt, Urheberrechtspolitik

Unter dem Titel «KI, Literaturmarkt, Urheberrechtspolitik» hielt Philip Kübler an den 48. Solothurner Literaturtagen ein Referat mit anschliessender Diskussion. Das schriftliche Referat ist als PDF verfügbar.

Der Beitrag setzt bei der Beobachtung an, dass generative KI die menschliche Kommunikation imitiert und dadurch zu einem direkten Konkurrenzprodukt für Autor:innen, Künstler:innen, Medien- und Kulturschaffende wird. Übersetzungen, Bilder und Informationen lassen sich bereits heute in grossem Umfang maschinell herstellen; Fiktion, Poesie, Journalismus, Wissenschaft und Musik sind in unterschiedlicher Geschwindigkeit betroffen.

Das Referat gliedert sich in drei Teile. Erstens wird gezeigt, dass KI-Systeme auf menschliche Schöpfungen und Leistungen angewiesen sind. Ohne Texte, Bilder, Töne und audiovisuelle Inhalte aus menschlicher Produktion gäbe es keine brauchbaren Trainings- und Vergleichsgrundlagen für generative Systeme. Zweitens folgen praktische Hinweise für das eigene Kreativschaffen mit KI. Drittens werden urheberrechtspolitische Lösungen skizziert, die für eine anstehende Gesetzesrevision von Bedeutung sind.

Für das kreative Arbeiten empfiehlt der Beitrag einen bewussten Umgang mit KI. Fremde Formgebungen können urheberrechtlich geschützt sein, aber Ideen, Informationen, Inspirationen und Stile sind grundsätzlich frei. Wer KI einsetzt, sollte deshalb Quellen, Arbeitsstände und eigene Beiträge dokumentieren. Bei grösseren Werken – etwa Buchprojekten, Recherchen oder Forschungsarbeiten – sollte der Entstehungsprozess nachvollziehbar sein.

An dieser Stelle schlägt das Referat die Brücke zu MyCopyright. ProLitteris bietet ein digitales Depot an, mit dem Dateien gesiegelt und deponiert werden können. Die Sicherung ist keine Voraussetzung für Vergütungen, kann aber helfen, Konzepte, Skizzen, Entwürfe und Fassungen zeitlich zu dokumentieren. In einem späteren Schritt sollen auch Erklärungen dazu möglich werden, welche Versionen und Elemente eines Werks menschlich geschaffen wurden.

Urheberrechtspolitisch steht zunehmend das Beteiligungsprinzip im Zentrum. Die Jahre der unautorisierten Abschöpfung von kreativen Werten durch KI-Modelle und -Systeme hinterlässt Spuren. Wenn KI-Modelle mit urheberrechtlich geschützten Werken trainiert werden, wenn Tools auf solches Material zugreifen oder wenn Organisationen geschützte Inhalte in Prompts und Datenquellen verwenden, sollen Autor:innen, Künstler:innen, Verlage und andere Rechteinhaber:innen an der Wertschöpfung beteiligt werden. Die Kollektivverwertung kann dafür Rechtssicherheit, Einheitlichkeit und faire Vergütungssysteme bieten.

Was ist die Rolle der Verwertungsgesellschaften? Eine prägnante Äusserung dazu lautet: «Verwertungsgesellschaften bilden die Brücke zwischen Werkschöpfung und Wertschöpfung».

Das schriftliche Referat von Philip Kübler ist als PDF verfügbar (Deutsch, mit Übersetzung ins Französische, Italienische und Englische).

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